Das Aus des „Berliner Salon“ – Was wird aus der Fashion Week Berlin?

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Der Berliner Salon

 

und auch die Bread && Butter by Zalando ist im Sommer gecancelt!

Wie lange wird es die Fashion Week Berlin überhaupt noch geben?

 


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Berliner Salon

Die Gruppenausstellung des Berliner Salon – ein Format, dass es erst seit 2015 gab (hier der 3-teilige Artikel und Bilder aus meinem Archiv: Teil 1, Teil 2, Teil 3) wird es im Sommer 2019 nicht mehr geben. Erst im Januar ist der Berliner Salon vom Kronprinzenpalais in die Invalidenstraße in die St. Elisabeth Kirche umgezogen, hatte sich also etwas verkleinert. War dadurch schon zu merken, dass dieses Format keine Zukunft haben wird?

Zu Beginn des Salons gab es sehr viele Designer und eine große Auswahl ihrer Entwürfe zu sehen. Auch fanden Modenschauen im Kronprinzenpalais statt. Jetzt bei der letzten Ausgabe gab es pro Designer wohl nur noch zwei Outfits – und auch insgesamt weniger Labels.

Der Direktor der Kreativagentur Nowadays und Veranstalter Marcus Kurz, kommentiert dies wie folgt – Zitat: „Die Einstellung des BERLINER SALON ist die Folge einer realistischen Einschätzung des Marktes und seines Potentials. Unter professionellen Gesichtspunkten kann, unserer Meinung nach, das Format auf Grundlage der bestehenden Berliner Messedaten international nicht wettbewerbsfähig weiterentwickelt werden. Mit der neuartigen Plattform wollten wir die bestehende Präsentationslücke für deutsche Designer in Berlin schließen und dem Handel sowie der Presse einen schnellen, einfachen und kuratierten Zugang zu unseren Designtalenten ermöglichen.“


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International nicht wettbewerbsfähig?

 


Das kann durchaus sein, denn die Frage hat sich mir schon lange gestellt, warum wird die Fashion Week Berlin zumindest im Sommer nicht an die großen Weeks im September/Oktober gekoppelt? Im Winter sind die Abstände nicht so groß, aber im Sommer fällt es schon auf. Denn auch die Überschneidungen mit den Schauen der Haute Couture sind wohl ein großes Problem. Aber ist es nur ein Terminproblem?

Namhafte Designer – auch gerade aus Deutschland zeigen mittlerweile eher in Paris oder anders wo – nur nicht in Berlin.

Internationales Publikum scheint zu fehlen, keine oder zu wenig Einkäufer und Pressevertreter aus dem In- und Ausland mehr. Aber warum?



Woran könnte es liegen? Zu wenig oder falsches Marketing? Keine Attraktivität der gesamten Modewoche?  Schlechte Koordination der Veranstaltung oder schon im Vorfeld bei den Akkreditierungen? Einen schnellen, einfachen und kuratierten Zugang für den Handel und der Presse?

Ich muss das jetzt zu den letztgenannten Punkten wirklich mal fragen, ist es so verwunderlich, wenn die Initiatoren, bzw. deren Mitarbeiter auf so einem hohen Ross sitzen?

Damit meine ich in erster Linie das Prozedere der Akkreditierung zur Veranstaltung – Der Berliner Salon! 


 

Schnell und einfach? Ach ….

 

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Ständig gab es auf mein Akkreditierungsanliegen – und zwar Wochen! im voraus – immer wieder die  – vielleicht sogar vorgefertigte Antwort: „Haben Sie vielen Dank für ihre Nachricht und das damit verbundene Interesse an DER BERLINER SALON.
Leider ist es uns aus Kapazität Gründen diese Saison nicht mehr möglich weitere Gäste zu akkreditieren. Wir hoffen auf ihr Verständnis.“

oder

Danke für Ihr unermüdliches Interesse am BERLINER SALON.

Wir ziehen im Januar in eine neue Location die wesentlich reduzierter im Umfang der ausgestellten Designer ist, aber eben auch was unsere Kapazitäten der Gästeanzahl betrifft.

Wir sind dazu angehalten, die für unsere Designer wichtigsten Kunden und Medienvertreter einzuladen. Leider müssen wir Prioritäten setzen und Ihnen mitteilen, dass wir Ihnen auch dieses Mal wieder keine Akkreditierung zusagen können. Es tut mir leid, wir hoffen aber auf Ihr Verständnis.“

oder

„Haben Sie vielen Dank für ihre Nachricht und das damit verbundene Interesse an DER BERLINER SALON.
Leider ist es uns aus Kapazität Gründen diese Saison nicht mehr möglich weitere Gäste zu akkreditieren. Wir hoffen auf ihr Verständnis.“

Nein, Verständnis hatte ich dafür nicht!


 


Wenn so auch mit anderen Medienvertretern und vor allem Händlern umgegangen wurde, ist es auch kein Wunder, dass es immer weniger Zulauf und echtes Interesse gab. Champagner oder Sekt schlürfen kann man auch in New York oder London! Man kann nicht „auf Teufel komm raus“ Elitär werden oder sein. Nur durch (künstliche?) Verknappung der Kapazitäten, sprich – nur einer begrenzten Anzahl an Besuchern wird der Zugang ermöglicht und vielen anderen wird im Vorfeld bei jeder Nachfrage eine Absage erteilt, weil sie angeblich nicht wichtig genug sind?

Wer bestimmt denn, weiß oder unterscheidet die Wichtigkeit? Woran macht sie sich für die Veranstalter fest? Nur der Hinweis: Ich komme aus … New York, L.A., Paris, London, Peking oder sonst wo her, oder der Hinweis auf einen gut frequentierten Instagram-Account mit mindestens 100000 Followern und einer enormen Reichweite?


 


Meine Freundin hatte es 2x versucht, sich als Inhaberin und Einkäuferin für ihre Modeboutique, ihren Fashionstore in Niedersachsen beim Berliner Salon zu akkreditieren. Sie wollte gerne mal andere Designer und deren Entwürfe sehen um vielleicht den einen oder anderen Designer in ihrem Geschäft der Kundschaft zu präsentieren. Sie wurde auch mit einer fadenscheinigen Absage per Mail bedacht. Nach dem 2. Versuch für eine weitere Saison hatte sie es aufgegeben!

Soviel zu: Schnell und einfach für Einkäufer/den Handel!

So kann man leider keine neuen und zusätzlichen Einkäufer gewinnen! 

 


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Mir tut es vor allem für die jungen deutschen Designer leid, die natürlich eine Chance bekamen, durch den Berliner Salon mehr Aufmerksamkeit zu kommen, mit potenziellen Einzelhändlern schneller in Kontakt zu treten und sich auch außerhalb ihres Ateliers und der Berliner Szene einen Namen zumachen.

Sehr sehr schade!


 

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Bread & Butter

Zur Bread & Butter ist zu sagen, dass Zalando schon im November das vorläufige Aus der Publikumsmesse bekannt gab. Bisher war es mir keine Zeilen wert darüber zu schreiben, denn wie ich euch ja auch schon in meinen Artikeln über die „Messe“ berichtet hatte, fand ich das Konzept von Zalando bei der ersten Ausgabe überhaupt nicht gut umgesetzt, im Jahr darauf war die Zweite schon besser (hier 2016 und hier 2017).

Tja und die dritte Ausgabe im Herbst letzten Jahres  – sprechen wir lieber nicht davon! oder nur ein Wort: unterirdisch!


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Es ist eben auch nicht immer gut, wenn man eine Marke kauft oder übernimmt, diese neu gestalten zu wollen. Gegen die eigentliche Messe Bread & Butter von Karl-Heinz Müller, der sie über Jahre recht erfolgreich führte und auch zurück aus Barcelona nach Berlin holte, kommt man auch als Zalando nicht an.

Wobei auch unter Herrn Müller die Veranstaltung zum Schluss nicht mehr so toll war. Da ich schon seit den Anfängen der B&B in den Siemens Kabelwerken mit dabei war, kann ich mir diese Gedanken sicherlich erlauben!

Einige große Firmen aus dem Jeans- und Streetwear-Bereich wie Diesel, Levis und andere hatten sich schon vorher zurückgezogen, die Streetwear-Premium-Labels verabschiedeten sich – verließen das schon damals sinkende Schiff. 


 

 

The Look:

  • Blazer: Chanel
  • Cardigan: Fendi
  • Hose: Zara
  • Sneakers: Karl Lagerfeld x Puma
  • Tasche: No Name

 

 

Photos by Bernd Oelmann


 

Nun bleibt immer noch die Frage übrig: „Was wird aus dem Modestandort Berlin in Zukunft?“

Auch ein „Schiff“, dass auf Sinkkurs ist? Wir werden es erleben in der Zeit vom 02.07. – 06.07.2019.



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Was sagt die Vogue dazu? Schließlich waren der Vogue Salon in Kombination mit dem Berliner Salon ein Gedanke von Christiane Arp zusammen mit Marcus Kurz. (Stellungnahme/Artikel der Vogue)

Instagram

4 Antworten to “Das Aus des „Berliner Salon“ – Was wird aus der Fashion Week Berlin?

  • Liebe Mo, erst einmal möchte ich loswerden, dass deine Fotos absolut toll sind. Liebe Grüße auch an Bernd dafür – die sind euch mal wieder sehr gelungen.
    Ansonsten sehe ich das wie du – nämlich mit sehr gemischten Gefühlen. Hier wird zu schnell aufgegeben, nicht versucht, ein Konzept richtig umzusetzen. Und wir haben uns ja schon oft darüber unterhalten, dass das falsche Publikum eingeladen wird.
    Von der Bred&Butter halte ich überhaupt nichts, seid Zalando hier das Ruder übernommen hat. Das ist einfach unprofessionell gemacht.
    Dass der Berliner Modesalon in seinem Konzept allerdings so schnell eingestampft wird, kann ich nicht nachvollziehen.
    Ich bin gespannt, was es im Sommer denn überhaupt noch zu sehen gibt.
    Fühl dich gedrückt, Katrin

    • Liebe Katrin,

      vielen Dank für dein Kompliment zu den Bildern. Ich werde es natürlich gerne an Bernd weiterleiten. Tja, was uns der Sommer zur Fashion Week bringen wird ist spannend und ich bin auch schon sehr neugierig. Mir tut es vor allem auch für die jungen Designer leid, denn der Berliner Salon war für sie schon eine gute Plattform.
      Liebste Grüße
      Mo

  • Liebe Mo, das sind ja wieder mega Bilder von dir! Ja, ich denke auch, es liegt an Misswirtschaft, dass die Berliner Fashion Week nicht die Kurve bekommt.Pariser Arroganz gekoppelt mit wenig internationalem Angebot und Flair…. das kann nichts werden. Statt groß zu tun, sollte man sich auf die Berliner Stärken konzentrieren, Independent Labels, kreative Subkultur… und dazu eben auch „kleinere“ Interessenten einladen wie kleine Ladenbesitzer und kleinere Blogger. Die streuen nämlich die Botschaft in die Welt – im Gegensatz zu einer für 5 Minuten auftauchenden und dafür horrend bezahlten Caro Daur o.ä. Personen.
    Hochmut kommt vor dem Fall, kann man zur Berliner Fashion Week nur sagen – und gerade befindet sie sich im freien Fall, zu schade.

    Allerliebste Grüße
    Chris

    https://stylepeacock.com

    • Liebe Chris,
      das Kompliment zu meinen Bildern werde ich natürlich an meinen „Instagram-Husband“ weiterleiten, smile …
      Ich glaube, dass die vielen Umbrüche, die ständig wechselnden Location und vor allem die Terminierung der Fashion Week Berlin in den letzten Jahren dazu geführt haben, dass große Labels, aber auch richtige Prominente Berlin den Rücken gekehrt haben. Somit ergab sich zwangsläufig weniger „Glamour“. Der Anspruch, mit Paris oder New York mithalten zu wollen, kann einfach nicht funktionieren.
      Berlin als Modestandort – gerade durch innovative, kreative junge deutsche und auch internationale Designer könnte mehr erreichen, wenn die Verantwortlichen die Stärken der Stadt und den Standort Berlin mehr in den Fokus rücken würden, statt anderen Städten hinterher zu hecheln.
      Liebste Grüße
      Mo

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