Als Blogger immer mit neuen Klamotten?

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Als Blogger immer mit neuen Klamotten?

Braucht man als Blogger immer neue Klamotten? Diese Frage taucht neuerdings immer öfter auf. Bei mir im privaten Umfeld genauso wie in den sozialen Netzwerken. Manchmal sind es nur kurze Anmerkungen wie neulich bei der Bloggerkollegin Masha Sedgwick, die auf den Artikel von Eco Watch hinwies, zuletzt wieder ein längerer Artikel wie der von der anderen Bloggerkollegin Malina Florentine, oder wie schon vor längerer Zeit in privater Runde mit einer sehr guten Freundin. Ich hatte diesen Artikel auch schon länger „liegen“, ihn sozusagen als Reserve für knappe Zeiten vorgesehen. Jetzt ist es soweit, denn durch mein derzeitiges Kranksein kann ich kaum Artikel schreiben und habe ihn auch nur durch ein paar Sätze ergänzt.

Die Überlegung fängt irgendwie immer gleich an – unser Konsum – mit Fast Fashion – Designerklamotten und Taschen –  Nachhaltigkeit – ständige neue Trends – brauchen wir immer wieder neue Klamotten – und muss oder sollte man als Blogger nicht doch öfter verstärkt die älteren Love-Pieces vorzeigen und sie neu interpretieren? Einige meiner Berichte gingen ja auch schon in diese Richtung, leider gab es darauf nicht ganz so viel Resonanz. War die Zeit noch nicht reif? Waren die Artikel als Denkanstöße zu kurz? (hier, hier und hier)

Fakt ist:

Die Textilindustrie ist ein großer Arbeitgeber, aber auch ein genauso großer Umweltzerstörer. Hört sich jetzt zu dramatisch an? Nicht wenn man mal genau darüber nachdenkt und einige Fakten zur Kenntnis nimmt. Die Herstellung unserer Textilien verbraucht sehr viel Trinkwasser, die Rohstoffe werden immer noch mit zu viel Pestiziden und Düngemitteln behandelt, die Veredlung mancher Klamotten durch entsprechende Chemie vergiftet Luft und Gewässer, diese Chemikalien gelangen wieder ins Trinkwasser und werden auch durch die Tiere und Pflanzen uns erneut zugeführt, die Transporte erhöhen die CO2 Belastung und unsere geliebten Einkaufstüten verursachen wiederum einen enormen Müllberg. Das ist natürlich nur kurz zusammengefasst und mit Nichten noch nicht alles.

Dazu kommen dann die schlechten Arbeitsbedingungen und Bezahlungen- nein nicht hier bei uns – obwohl es auch hier in Deutschland noch einige Verbesserungen geben könnte. Ich meine die Höllenbedingungen der Arbeiter – Frauen, Männer und Kinder – in den für unsere Kosumsucht produzierenden Ländern. Denn knapp die Hälfte aller nach Deutschland importierten Mäntel, Jacken, Hosen oder auch Socken stammt aus China, die restlichen Klamotten meist aus Bangladesch, Pakistan, der Türkei, aus Indien, Indonesien, Vietnam oder Kambodscha. Sie werden ausgebeutet, müssen unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten, ruinieren ihre Gesundheit – sterben – für nur umgerechnet ein paar Euro im Monat. Für unsere Konsumgeilheit – für unser trendy-sein. Sie haben nicht die Wahl – sie müssen Geld verdienen um zu überleben.

Made in Germany? Meistens Fehlanzeige! Bei den großen Retailern sowieso nicht. Allerhöchstens bei kleinen Firmen oder Designern die das Thema Nachhaltigkeit sehr ernst nehmen und auf ihre Produktionskette genau achten. Es gibt sie und sie werden immer mehr! Aber – die Klamotte kostet dann auch wesentlich mehr! Nix mit Billigeinkauf, mit Megaschnäppchen, mit fünf Teilchen für unter 20-30 oder 100,00 €. Daran knüpft sich wiederum die Frage: Wieviel Fashion will ich mir leisten? Brauche ich ständig was Neues? Muss ich als Blogger immer neue Mode zeigen, neuste Trendoutfits = viele Leser/Follower?

Muss ich wirklich? Oder bin ich hier selbst einem Konsumwahn verfallen – selbst immer die neusten Stücke zeigen zu müssen, damit ich für meine Leser interessant bleibe?

Wie handhabe ich es selbst? Wie kaufe ich ein und stelle meine Outfits zusammen? Okay, zugegeben, frei vom Kaufrausch bin ich auch nicht, aber: ich kaufe sehr viel Secondhand wie ihr bestimmt mittlerweile wisst und empfehle es auch. Und Fakt ist aber auch, als Fashionbloggerin möchte ich euch mit meinen Outfits inspirieren, möchte euch zeigen was für Stylings möglich sind, möchte euch über Neues informieren. Es ist oft nicht einfach und es ist tatsächlich sogar öfter ein echter Spagat zwischen Inspiration, Nachhaltigkeit und des Kaufanreizes. Die Kaufentscheidung selbst liegt dann bei euch.

Natürlich sind auch bei mir und meinen Outfits immer wieder ein paar ganz neue Teile dabei, mit denen ich dann die anderen mixe. Diese Mischung macht für mich auch Styling aus. Und durch das Kaufen und Tragen von gebrauchten Klamotten kann ich vielleicht einen ganz kleinen, minimalen Anteil dazu beitragen, das die Umwelt vielleicht etwas geschont wird. Auf jeden Fall bringe ich mein Geld nicht zu Billiganbietern, ein T-Shirt für 2,00 € in Läden wie Primark & Co gibt es bei mir nicht. Zara, H&M und Monki sind dann auch wirklich schon die unterste Preisgrenze und meine paar Teile von C&A sind durch geschenkt bekommene Gutscheine in meinem Schrank gelandet.

Okay mögen jetzt manche von euch sagen, so weit so -naja-gut- aber was ist mit den Arbeitern in den produzierenden Ländern? Wird ihre Situation dadurch besser? Wenn ich ganz ehrlich bin, glaube ich kann ich da auch durch mein Kaufverhalten keine riesige Veränderung bewirken. Ach Mädels, ich weiß es auch nicht! Ich kann es auch nur hoffen!

Die Macht der Konzerne ist so immens groß und die Gier der Unternehmer und Subunternehmer vor Ort wahrscheinlich derart ausgeprägt, dass immer neue Lücken entdeckt und ausgenutzt werden. Wer sollte das ständig kontrollieren können? Machen sich unsere beliebten Fashionanbieter da wirklich die in der Werbung oft versprochene Mühe? Und wenn ein Land es geschafft hat, bessere Bedingungen für ihre Arbeiter zu gewährleisten, gibt es ein anderes, dass die Produktion doch wieder billiger anbietet und die großen Konzerne ziehen weiter.

Eine Rechtfertigung von mir? Nein! Ich liebe Klamotten und ich liebe es jeden Tag etwas anderes anzuziehen, aber ich überlege auch und denke darüber nach. Es ist schon oft wie in einer Zwickmühle, also immer neue Klamotten oder doch nicht? Jein.

Denn ich möchte etwas aus den aktuellen Kollektionen zeigen, aber ich möchte das auch nicht überstrapazieren. Meine älteren Klamotten sind mir einfach zu lieb, einige sind echte Klassiker und deshalb trenne ich mich auch nicht von ihnen, sondern setze sie immer wieder mit ein. Einige Stücke tauchen gefühlt ständig auf, andere etwas sparsamer. Diese Love-Pieces sind ihr Geld einfach wert gewesen, egal ob neu oder Secondhand. Ich habe sie dann über Jahre, weil sie zu mir gehören, weil sie meinen Style ausmachen, trotz aller Trendteile, die sowieso bald wieder verschwinden werden.

Ich versuche meist zwischen den Zeilen in meinen Berichten, genauso wie in den Outfitposts und auch in der Shop my Look-Galerie euch Lesern Secondhand-Fashion näher zu bringen. Bei den Artikeln über Berliner Designer und Labels, aber auch, wenn mir wie jetzt bei den German Press Days Brands auffallen, die die Nachhaltigkeit ihrer Fashion an oberste Stelle setzten, dann schreibe ich darüber weil ich es gut finde, weil sie es vormachen und dazu stehen und weil ich euch darüber informieren möchte.

Geld bekomme ich dafür nicht! Das eine oder andere Stück darf ich mir für ein Shooting ausleihen, um es euch näher vorzustellen und damit ich auch mal wieder eine ganz neue Klamotte habe!

Ich würde mich sehr über eure Meinung zu diesem doch sehr komplizierten Thema freuen!

Zum Schluss meiner Gedanken und ein neuer Denkanstoß für alle die, die noch ein bisschen mehr Infos möchten, empfehle ich euch den Film, der Anfang des Jahres in einigen Kinos zu sehen war: The True Cost. Hier der deutsche Trailer, in dem schon in den wenigen Minuten klar wird, was für ein Drama das ganze Thema eigentlich ist.

Und wer den Film nicht gesehen hat und die DVD kaufen möchte:

Instagram

6 Antworten to “Als Blogger immer mit neuen Klamotten?

  • Hallo Mo, ich finde deine Ehrlichkeit toll, das macht deinen Blog auch für mich aus. Er ist einfach authentisch und ich kann mich mit deinen Looks identifizieren. Secondhandklamotten zu kaufen finde ich gut und für mich kämen Läden wie Kik oder Takko und gar nicht in Frage. Man hat schon so viel negatives über diese Firmen gahört. Aber bei Zara und H&M schaue ich schon öfter vorbei, die Sachen gefallen mir und ich kann sie mir auch leisten. Klar sollte jeder auch an die Herstellung denken, aber ob ich selbst was an den Bedingungen ändern kann bezweifel ich, sorry.
    Liebst Mel

  • Das Thema kann man gar nicht oft genug aufgreifen.
    Ich kaufe viele meiner Sachen Second Hand oder tausche mit Freundinnen und Verwandten.
    Für mich ist es oft nicht einfach eine passende Hose zu finden, bei H&M zum Beispiel finde ich nach 3 Stunden Rumprobieren vielleicht eine. Aber auch nur vielleicht. Bei NKD oder kik dafür innerhalb von 10 Minuten. Das ist bei deren Preisen ganz schön deprimierend. Deswegen will ich eine passende Hose auch so lange wie möglich tragen können. Was bei H&M heißt: Einen Monat, dann bekommt sie schon Löcher. Eine Second Hand Hose wurde schon mehrfach gewaschen und getragen. Da weiß ich, dass sie länger halten wird. Sogar die von kik halten länger! Kleidung wird bei den meisten großen Ketten eher für den Müll produziert, damit wir mehr und mehr kaufen müssen. Nicht bloß damit wir Trends hinterher rennen. Nicht umsonst findet man inzwischen so viel Elasthan im Stoff. Das sorgt für dünnere (schneller reißende) Stoffe, die in Verbindung mit manchen Farbstoffen bei Kontakt mit Schweiß unheimlich zu Stinken beginnen. Was heißt: Öfter waschen, es geht schneller kaputt, man muss wieder was neues kaufen.
    Von den allgemeinen Produktionsbedingungen fange ich gar nicht erst an.
    Ich könnte bei dem Thema permanent in die Tischplatte beißen…

    Liebe Grüße!

  • Hallo Mo!

    Ich finde es toll, dass du dieses Thema aufgreifst und in einem eigenen Artikel bearbeitest. Ich glaube, gerade in der Fashion-Blogger-Welt machen sich leider immer noch viel zu wenige Menschen Gedanken um die Konsequenzen, die schnellebige Mode hat und darum, dass sie als Blogger*innen eben auch einen Einfluss auf andere Menschen und deren Kaufentscheidungen ausüben.
    Daher finde ich es klasse, dass du Second Hand starkmachst und dich dafür einsetzt, dass deine Leser*innen auch immer wieder damit in Berührung kommen!
    Und natürlich, dass du absolut ehrlich bist und dich nicht von jeder Kaufsünde freisprichst (wer könnte das schon?).

    Was mir aber ein wenig zu kurz kommt – muss ich ganz ehrlich sagen – ist der Verweis auf nachhaltige und grüne Mode. Du sprichst ganz richtig an, dass es immer mehr Firmen gibt, die wirklcih gute und tolle Sachen produzieren, die schon lange weit weg vom Kartoffelsack-Image sind – aber ich persönlich würde mich freuen, wenn du da ein bisschen mehr drauf eingeehn würdest. Das Thema ist so unglaublich wichtig! Nicht zuletzt, wenn man „The True Cost“ gesehen hat.
    Ich habe meinen Kleiderschrank vor einiger Zeit ausschließlich auf Fair, Bio und Vegan umgestellt (die alten Teile werden selbstverständlich aufgetragen) und empfinde das als große Bereicherung. Vielleicht magst du darüber auch einmal schreiben? 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Liebe Jenni,
      ganz lieben Dank für Deinen so langen und ausführlichen Kommentar. Ich freue mich, dass das Thema doch immer mehr ins Bewusstsein der Menschen rückt, ob nun fashionverrückt (so wie ich auch, smile…) oder nicht. Natürlich hast Du recht, dass das Thema rund um Fair Trade, nachhaltige, bio und grüne Mode noch zu kurz kommt, obwohl ich da auch schon öfter – okay – eher am Rande ´drauf hingewiesen habe, (Stichwort: Fashion Revolution Day/Week, die Ethical Messe und die Statements der Designer). Sicherlich müsste/sollte ich auch mal einen längeren Artikel über die anderen Alternativen außer Secondhand schreiben, aber ich muss Dir gestehen, dass ich da meine Schwierigkeiten mit habe. 2nd Hand ist für mich sofort nachzuvollziehen, Fair Trade könnte man ganz vielleicht ein wenig genauer recherchieren, zumindest bei mir bekannten Designern. Aber so richtig Grün, Bio und Vegan? Das ist schwer, hier muss man sich sicherlich auf viele Infos verlassen (können) und da bin ich mir wirklich nicht so ganz sicher. Sicherlich tue ich einigen Designern und Herstellern Unrecht mit meiner Annahme, aber wir wissen doch alle, dass es am Ende immer um das liebe Geld geht. Wenn Du einige empfehlenswerte Labels/Namen und Brands für mich hast, möchte ich das Thema gerne weiter vertiefen und auch darüber einen Artikel schreiben. Ich finde dass es äußerst wichtig ist einen größeren Denkanstoß zu geben – auch wenn ich als Fashionbloggerin ganz oft hin und her gerissen bin und selbst nicht alles so einhalten kann, wie es oft bestimmt richtiger wäre.
      Liebste Grüße,
      Mo

  • Ich seh das auch so wie Du. Natürlich würde ich immer gerne neue Sachen shoppen und den neuesten Trend tragen, aber warum eigentlich?

    Mein Kaufverhalten hat sich seit dem Bloggen zum Glück nicht verändert, ich habe vorher genauso viel geshoppt wie in den 5 Jahren Bloggerzeit. Das schöne am Bloggen ist, dass man dann seine Outfits allen zeigen kann – nicht nur dem eigenen Freund immer fragen, wie er das findet. *lach*

    Ich liebe neue Trends, wenn sie für mich vorteilhaft sind, z.B. momentan ausgestellte Kleider ohne Taille, die muss ich dann haben, aber nicht, um sie auf dem Blog zeigen zu können, sondern weil sie mir gefallen.

    Anfang Herbst habe ich meinen Kleiderschrank aussortiert und auch festgestellt, ich habe viel zu viele Sachen und die brauche ich nicht. Jetzt versuche ich, bei wenigen Teilen zu bleiben.

    In Second Hand Läden gehe ich auch sehr sehr gerne.

    Liebe Grüße,
    Moppi

    • Liebe Anett,
      ich freue mich sehr über Deinen Kommentar. Hab Dank dafür. Mit dem Aussortieren des Schrankes und der Feststellung, dass man eigentlich sehr oder zuviel Klamotten hat, gebe ich Dir vollkommen recht. Und trotzdem rennen wir – vor allem wir Fashionblogger – doch immer wieder dem Neusten nach. Es ist echt nicht einfach, sich selbst gegenüber auch mal nein zu sagen – kenne ich nur zu gut, smile… und deshalb schaue ich so oft nach ähnlichen Stücken, die schon vorhanden sind (2nd Hand), nicht erst jetzt produziert worden sind, hüte und hebe meine Love-Pieces auf, um eben trotz der so gehypten Trendteilchen, zumindest bei der Farbe oder dem Schnitt der Klamotte eine adäquate Alternative zu finden und damit auch etwas für unsere Umwelt zu tun. Sicherlich ist das nicht genug, aber ein mini, minimaler Anfang.
      Und ja, ich kaufe meine Sachen natürlich auch in erster Linie, weil sie MIR gefallen. Sie dann in Outfitposts vorzustellen und andere Mädels an meiner Freude und an meiner Stylingidee teilhaben zu lassen, ist als Blogger ein zusätzlicher schöner Pluspunkt, smile…
      Sei lieb gegrüßt,
      Mo

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